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Borneo: Warum du Orang-Utans NICHT in Semenggoh besuchen solltest

Updated August 5, 2022

Orang-Utans einmal hautnah in freier Wildbahn zu sehen war der Hauptgrund, der mich nach Borneo führte. Die großen, plüschigen Baumsäugetiere in einem ihrer übrig gebliebenen Lebensräume zu besuchen, war ein langersehnter Wunsch, der während meiner Reise durch Malaysia in Erfüllung gehen sollte. Denn Orang-Utans gibt es heutzutage nur noch auf Borneo und Sumatra zu finden.

Bei meiner Suche nach Orang-Utans auf Borneo schien die Auffangstation in Semenggoh die perfekte Adresse dafür zu sein. In zahlreichen Berichten habe ich ausschließlich Positives über das Semenggoh Wildlife Center gelesen. Doch mein Besuch stellte sich leider als ein schockierendes Erlebnis heraus.

Orang-Utan in Semenggoh

Das Orang-Utan Wildlife Center in Semenggoh

ist an sich an eine super Institution, die grundsätzlich nur Gutes für die Tiere tut. Die Pfleger kümmern sich um die Orang-Utans, die verwaist aufgefunden oder aus der Gefangenschaft von privaten Besitzern gerettet wurden.

Die Tiere werden in dem Naturreservat über Jahre lang aufgepäppelt und langsam auf die Auswilderung in der freien Natur vorbereitet. Die Auffangstation befindet sich mitten in der Wildnis, wo die Orang-Utans nachdem sie ausgesetzt wurden, schließlich weiterleben und sich fortpflanzen können.

Warum ich dennoch von einem Besuch abraten würde, will ich dir hier genauer erzählen.

Fütterungszeiten

Ein Besuch im Wildlife Center ist nur zwischen 08:00-10:00 Uhr und 14:00-16:00 Uhr möglich. Wenn du bei der Morgen-Fütterung teilnehmen möchtest, solltest du gegen 09:00 Uhr da sein. Die Nachmittags-Fütterung findet gegen 15:00 Uhr statt. Nur zu diesen Zeiten können Besucher das Wildlife Center besuchen und auf ein Treffen mit einem oder einigen Orang-Utans hoffen.

Mit Betonung auf „hoffen“. Denn das Semenggoh Wildlife Center ist kein Zoo oder Freizeitpark, wo die Orang-Utans in einem umzäunten Raum leben und jederzeit besichtigt werden können. Es ist deren natürlicher Lebensraum, in denen die Menschen zu Gast sind und mit Glück einem der dort lebenden Tiere begegnen können. Da die Orang-Utans aber vor allem in der Trockenzeit nicht genug Futter im Wald finden, unterstützen die Pfleger sie mit der Fütterung, bei der die Besucher zuschauen dürfen.

Ich bin zu der Morgen-Fütterung gefahren und kam gegen 08:40 Uhr an der Fütterungsstation an, wo bereits ca. 50 andere Leute warteten.

„Ok, das geht ja noch“, dachte ich zu dem Zeitpunkt.

Doch alle paar Minuten kamen weitere Besucher dazu und die „Wartehalle“ wurde immer voller. Währenddessen verkündete ein Guide, dass sie die Orang-Utans bisher nicht gesichtet haben und dass ein Pfleger versucht die Tiere zur Fütterung zu rufen. Er wies darauf hin, dass es eben keine Garantie gibt, dass die Orang-Utans zur Fütterung kommen – das ist nun mal kein Zoo.

Orang-Utan Wildlife Center, Semenggoh auf Borneo

Da die Fütterungszeit offiziell nur bis 10:00 Uhr angesetzt ist, müssen danach alle Besucher das Naturreservat verlassen. Egal, ob die Orang-Utans zur Fütterung gekommen sind, oder nicht. Die Eintrittskarte gilt allerdings für den ganzen Tag. Du kannst also auch nochmal zu der Nachmittags-Fütterung wiederkommen.

Wo bleiben denn nur die Orang-Utans?

Fragten sich langsam alle ungeduldig. Egal wie häufig der Guide es wiederholte, dass sie nicht garantieren können, ob ein Orang-Utan kommt, so war die Enttäuschung greifbar zu spüren. Auch wenn ich von Vornherein wusste, dass es gut sein kann, dass ich keine Orang-Utans zu sehen bekomme, war auch ich in dem Moment ein wenig enttäuscht. (Schließlich war das der Hauptgrund, warum ich nach Borneo wollte.)

Da ich aber noch zu der Nachmittags-Fütterung gehen konnte, stellte ich mich schon fest darauf ein mein Glück einfach am Nachmittag erneut zu versuchen.

Doch dann, kurz bevor alle Gäste das Reservat schon hätten verlassen müssen, kündigte der Pfleger plötzlich an, dass zwei Orang-Utans doch auf dem Weg seien.

Und dann ging’s los…

Die Menschen drehten durch! Obwohl die Pfleger immer wieder dazu aufriefen, mehr Platz zu schaffen, versuchten sich doch alle bis in die ersten Reihen durchzuquetschen. Hunderte von Kameras, Handys und Selfie-Sticks ragten aus der Menschenmenge heraus.

Alle gerichtet auf ein Ziel: Den blauen Topf gefüllt mit Bananen, der für die Orang-Utans hergerichtet war. Eingequetscht in dem Gedrängel, habe ich mehr Rucksäcke und technisches Equipment vor das Gesicht bekommen als die Orang-Utans.

Wie eine Schar von Paparazzi, die auf einen ankommenden Star warteten, hielt jeder sein Gerät bereit, um möglichst ein tolles Bild zu knipsen. Und ich schämte mich ungemein, Teil dieser Schar zu sein.

Die Situation spitze sich dann richtig zu, als einer der Orang-Utans von der Fütterungsfläche in Richtung der Menschenmassen zulief. Vergeblich versuchten die Pfleger mehr Platz zu schaffen und die Menschen zurückzuweisen. Wieder mal waren alle nur darauf fokussiert so viele Bilder wie möglich von dem davonlaufenden Orang-Utan einzufangen.

Menschenmassen im Wildlife Center Semenggoh

Ich hatte mich auf diesen Augenblick so lange gefreut und konnte es kaum erwarten die Orang-Utans auf Borneo zu besuchen. Doch es war einfach nur schrecklich zu beobachten wie die Tiere mit den Kameras fast attackiert wurden.

Bei all der Mühe, die die Pfleger in das Wohlergehen der Orang-Utans investieren, erschließt sich mir einfach nicht, warum sie die Menschenmassen nicht limitieren. Hätte ich das vorher gewusst, wäre ich niemals nach Semenggoh gefahren.

Als ich dem Grab Fahrer auf dem Rückweg davon berichtet hatte, dass geschätzt 300 Leute allein bei der Morgen-Fütterung da gewesen sind, sagte er nur:

„Nur 300? Normalerweise sind es bis zu 500!“

Sorry, aber das kann doch weder gut für die Tiere, noch für die Menschen sein!

Unter diesen Bedingungen würde ich dir jedenfalls NICHT empfehlen die Orang-Utan Auffangstation auf Borneo zu besuchen! Solltest du aber dennoch hinfahren wollen, findest du hier die neusten Updates zu:

Semmengoh Wildlife Center – Anfahrt und Kosten

Die nächst gelegene Stadt ist Kuching, von der du jedoch nur noch mit einem Grab (lokale App für Transfer) oder mit dem Roller nach Semenggoh kommst.

ACHTUNG: Es gibt keine öffentlichen Busverbindungen mehr (Stand August, 2019).

Ich war ganz irritiert als ich in der Unterkunft nach den Bus Fahrtzeiten fragte und der Mitarbeiter mir erzählte, dass bereits seit über einem Jahr keine öffentlichen Busse mehr nach Semenggoh fahren. So blieb mir letztlich nur die Wahl einen Grab zu nehmen (von Kuching aus ca. 7€ pro Fahrt).

Eine Eintrittskarte kostet 10RM (ca. 2,18€) und ist für den ganzen Tag gültig.

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