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Zu Besuch bei den malaysischen Ureinwohnern im Orang Asli Dorf

Updated August 5, 2022

Mitten in einem der ältesten Regenwälder der Welt, abseits der Zivilisation, leben noch heute vereinzelte Völkergruppen der malaysischen Ureinwohner im Taman Negara Urwald. Während meiner Rundreise durch Malaysia habe ich einige Tage in dem Taman Negara Nationalpark verbracht und eines dieser abgeschiedenen Dorfgemeinden, das Orang Asli Dorf, besucht.

Übersetzt bedeutet Orang Asli schlicht „Ureinwohner“, worunter verschiedene indigene Völkergruppen zusammengefasst werden. Das Volk, das in dem Orang Asli Dorf lebt, wird als Batek Negrito bezeichnet. Insgesamt leben noch schätzungsweise 2000-3000 Menschen dieser Ethnie im Taman Negara, jedoch nur 20-30 im Orang Asli Dorf.

Das Leben der Orang Asli

Mit Palmblättern bedeckte Strohhütten stehen kreisförmig auf einer sandigen Fläche, nur wenige Meter von dem Fluss Tembeling, entfernt. Bunte Kleidung hängt an Wäscheleinen oder liegt verstreut auf den Dächern der kleinen Hütten herum. Auf dem Boden liegt ein Teekessel neben einer Feuerstelle, aus der noch leichter Rauch emporsteigt. Und überall tummeln sich Menschen dazwischen.

Zu Besuch bei den Malaysischen Ureinwohnern im Orang Asli Dorf
Orang Asli Dorf im Taman Negara Nationalpark, Malaysia
Feuerstelle im Orang Asli Dorf

Das waren die ersten Bilder und Eindrücke, die ich wahrgenommen habe, als wir mit einer kleinen Gruppe und begleitet von einem Guide, das Orang Asli Dorf betraten.

Abgeschottet von der Welt, leben die Menschen nach den Grundsätzen ihrer Tradition als Jäger, Sammler und Nomaden. Sie ernähren sich nur von dem, was der Urwald zu bieten hat wie Früchte, Blätter und Tiere. Wasser und Fische spendet ihnen der nahe gelegene Fluss und das Werkzeug stellen sie in mühsamer Handarbeit selber her. So verwenden sie z.B Polai (ein sehr leichtes Holz) für die Herstellung von Speeren, um damit die Tiere zu jagen.

Das Leben der Malaysischen Ureinwohner im Orang Asli Dorf
Selbstgemachte Speere der Ureinwohner

Stets auf der Suche nach Essen und Wasserquellen, leben die Menschen nie lange an einem Ort und ziehen weiter, wenn die Ressourcen ausgeschöpft sind. Die meisten Dorfgemeinden gestatten fremden Menschen auch keinerlei Zutritt. Sie leben komplett zurückgezogen und vermeiden jeglichen Kontakt mit der Welt. Nur das Orang Asli Dorf und zwei andere Dörfer gestatten fremden Besuchern Zutritt, erzählte uns der Guide.

Bräuche und Zeremonien

Wie in allen Kulturen, feiern auch die Batek Negritos verschiedene Bräuche und Zeremonien. Traditionell heiraten die Menschen sehr jung und bleiben auch ein Leben lang zusammen, denn Scheidungen gibt es nicht. Der Guide erzählte uns außerdem, dass die Frauen bis zur Heirat unter anderem Palmdächer herstellen können und die Männer sich als gute Handwerker beweisen müssen. Muss ja schließlich jeder einen Beitrag zur Ehe leisten :D.

Die Heirat kommt „automatisch“ zustande, wenn ein Mann und eine Frau eine private Nacht miteinander verbracht haben und beide anschließend entscheiden, dass sie zusammen bleiben wollen. Wenn einer von beiden jedoch nicht einwilligt, können sie einen anderen Partner auswählen.

Falls die Frau nach der besagten Nacht jedoch schwanger werden sollte, so muss der Mann für sie sorgen, bis sie einen neuen Mann gefunden hat. Logisch, oder?

Hütte im Orang Asli Dorf, Taman Negara Nationalpark in Malaysia

So interessant und einfach die Regeln für das Zustandekommen einer Ehe sind, so skurril sind auch die Bräuche bei einer Todeszeremonie (zumindest aus unserer Sicht). Wenn ein Ureinwohner im Dorf stirbt, wird die Leiche nicht etwa unter der Erde begraben. Sondern der Leichnam wird von den Angehörigen auf einer Art Liege auf einen Baum transportiert. Damit soll die Seele näher zum Himmel aufsteigen, so deren Glaube. Alternativ werden die Leichen auch direkt am Baum aufgehängt oder in einem Baumstamm verborgen. Nur Kinder werden unter der Erde begraben.

Für uns mag die Vorstellung dieser Art von Begräbnissen vollkommen absurd sein, für die Ureinwohner gehört es jedoch zum traditionellen Brauch.

Dschungel Wanderung durch den Taman Negara Nationalpark in Malaysia

Zwischen Faszination und Reue

Bei der Vielzahl an Touristen, die zwischen den Hütten umher liefen und Bilder von und innerhalb der Hütten machten, hatte ich angenommen, dass die Dorfbewohner während der Touri Besuche gar nicht anwesend sind.

Wer will denn schließlich zu Hause in seinen privaten „Räumlichkeiten“ gestört und vor allem fotografiert werden?

Doch wie sich am Ende herausstellte, lag ich mit meiner Annahme leider komplett daneben. Es waren tatsächlich die Orang Asli Bewohner, die ich teilweise in den Hütten sitzen gesehen habe! Scheinbar unbekümmert von dem Trubel, saßen sie einfach nur da oder gingen ihren alltäglichen Dingen nach. Erst als mich der Guide darüber aufgeklärt hatte, begriff ich, dass die Orang Asli Bewohner „zu Hause“ waren.

Und auf einmal überkam mich ein tiefes Gefühl der Reue. Einerseits gestatten die Dorfbewohner die Besuche freiwillig und sind es gewohnt jeden Tag von Touristen beobachtet zu werden. Andererseits hatte ich das beschämende Gefühl in deren Privatsphäre eingedrungen zu haben. Ich mein, stell dir mal vor, es kommen täglich hunderte von Menschen in dein Wohn- oder Schlafzimmer hereinspaziert und fotografieren dich dabei wie du schläfst, isst oder sonst was machst.

Am Ende der Tour fiel mein Fazit entsprechend zwiespältig aus. Ich war absolut fasziniert von der naturverbundenen Lebensweise dieser Menschen und fand es unglaublich spannend in eine komplett andere Welt eintauchen zu können.

Mit dem Wissen, dass die Ureinwohner aber zugleich wie sonderbare Ausstellungsstücke in einem Museum von den Touristen beobachtet werden, halte ich diese Tour für fragwürdig. Zumindest sollten, meiner Meinung nach, die Anzahl der Besucher und die Häufigkeit der Touren limitiert werden.

Hast du auch schon mal einen Ort besucht, in dem noch indigene Völker leben? Was waren deine Empfindungen und Erfahrungen? Und würdest du den Besuch vor allem weiterempfehlen?

Und so kommst du in das Orang Asli Dorf

Das Orang Asli Dorf liegt versteckt im Taman Negara Urwald und kann nur in Begleitung eines Guides besichtigt werden. Es gibt zahlreiche Busverbindungen bzw. Shuttles, die in den Nationalpark fahren. So kannst du z.B von Kuala Lumpur aus mit einem Mini Van direkt nach Taman Negara fahren.

Im Taman Negara angekommen, findest du diverse Anbieter, die eine Tour in das Orang Asli Dorf anbieten. Man muss die Tour zwar nicht weit im Voraus buchen, allerdings würde ich dir raten alle Touren bzw. Aktivitäten, die du während deines Aufenthaltes machen möchtest, gleich an dem Tag zu buchen, an dem du ankommst. Da es ja nach Besucherzahl recht voll sein kann, können einige Touren nämlich schnell ausgebucht sein und das wäre zu schade!

Alternativ kannst du den Taman Negara Nationalpark natürlich auch bei einer Tagestour oder einer Tour mit Übernachtung erkunden. In jedem Fall ist der Taman Negara Regenwald ein einzigartiges Erlebnis, bei dem du richtiges Dschungelfeeling zu spüren bekommst!

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